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Transporter nach Maß

vor 3 Stunden
4 Min. Lesezeit

VW und IAA 2026, das heißt Evolution statt Revolution.


Mann kniet neben weißem VW ID.Buzz LWB und zeigt auf das Kennzeichen in einer hellen Studiohalle.
Lang gemacht: 250 Millimeter Zuwachs für den ID. Buzz mit langem Radstand.

Die Zahl von 250 Millimetern entspricht Schuhgröße 40, der Zylinderbohrung des ersten funktionsfähigen Motors von Rudolf Diesel und vermutlich etwas mehr als der Handspanne von Fußball-Nationaltorwart Alexander Schlager. Hier sind’s 250 Millimeter mehr Achsabstand und somit Gesamtlänge für den VW ID. Buzz Cargo mit langem Radstand. Mit diesem Schritt wächst der Cargo auf das aktuell gängige Längenmaß von fünf Metern der kompakten Transporter heran.


Endlich, werden Interessenten des E-Transporters sagen, die das Großformat von der Pkw-Ausführung kennen. Unter neuer Führung von Volkswagen Nutzfahrzeuge gehen Dinge, die vorher nicht möglich schienen. Und so dehnt und streckt sich der lange ID. Buzz Cargo, nimmt 4,4 Kubikmeter Ladung auf. Nicht üppig – wegen der hohen Ladekante aufgrund des Heckmotors – aber immerhin ein halber Kubikmeter mehr. Weil die Schiebetür ein gutes Stück mitwächst, passt nun eine Europalette längs durch die seitliche Öffnung. Auch gibt VW dem langen Cargo einen robusten ebenen Boden mit und eine zweite Schiebetür. Verschwunden ist dagegen das Fach unter dem Frachtboden für das Ladekabel.


Mann inspiziert den leeren, schwarz verkleideten Innenraum eines Transporters mit offener Hecktür.
Da steckt was drin: zwei Schiebetüren, funktioneller Boden und ein halber Kubikmeter mehr Frachtraum.

Wegen des Radstands von 3289 Millimetern passt eine Batterie mit wuchtigen 86 kWh ins Kellergeschoss. Das bedeutet viel Reichweite, sogar mehr als mancher benötigt. Vorschlag: Wie wär’s alternativ mit einer Kompakt-Ausführung der Batterie, einem niedrigeren Preis und höherer Nutzlast? Denn sie beläuft sich auf maximal 700 Kilogramm, nicht eben viel. Schauen wir beim Modell mit Heckantrieb und 210 kW Leistung genau hin: zulässige Gesamtmasse 3250 Kilo, die Vorderachse trägt 1530 die hintere 1820 Kilo, der Cargo stößt an technische Grenzen. Der etwas größere Wendekreis – rund 11,8 statt 11,1 Meter – lässt sich angesichts der enormen Handlichkeit des E-Transporters verschmerzen.


Es buzzt auch an anderer Stelle. Das Einstiegsmodell ID. Buzz Cargo Pure trägt nun eine Batterie von 58 kWh und leistet 140 kW statt 125 kW. Die Allradvariante namens 4Motion zieht 1,8 Tonnen, als Langversion 1,6 Tonnen. Per Adapter lassen sich E-Geräte mit einer Leistung bis zu 2,0 kW anschließen oder aufladen. Es gibt einen Einpedal-Fahrmodus mit kräftiger Rekuperation. Leistungsfähigere Assistenzsysteme erkennen rote Ampeln, bremsen davor automatisch ab.


Mann im schwarzen Polo sitzt im Schiebetür-Einstieg eines weißen VW-Vans in einer Werkhalle, Arme ausgebreitet.
Jetzt funktioniert‘s: Eine Europalette passt bequem längs durch die breitere Schiebetür.

Auch bei den Geschwistern des ID. Buzz Cargo tut sich was. Da wäre der aufgefrischte VW Caddy Cargo, er blickt freundlicher in die Arbeitswelt. Der Caddy profitiert ebenfalls von der Ampelbremse, zusätzlich von einem weiterentwickelten Cockpit. Oder der VW Transporter aus der Kooperation mit Ford, dessen rare Variante Doka mit Pritsche – Hersteller Scattolini – inzwischen zu bekommen ist. Sie gibt’s in zahlreichen Antriebsvarianten als Diesel und Elektriker. Bei der Nutzlast heißt es Obacht, sie beläuft sich auf nur rund 700 Kilo.


Oranger VW Caddy Cargo Maxi in Industriehalle, neben grauem Pickup und Kabelrollen; Frontaufschrift CADDY CARGO.
Das zweite Gesicht: freundlicher Caddy Cargo mit aufgefrischter Bedienung.

Mann steigt aus grauem Pritschenwagen in einer Industriehalle mit Graffiti und Rohren.
Doppelt gemoppelt: Der Transporter mit Doppelkabine wird jetzt ausgeliefert.

Überdies öffnet sich VW den Aufbauern. Das Stichwort heißt Einrechnungs-Fahrzeug, sprich Fahrgestell und Aufbau aus einer Hand vom VW-Händler. Beispiel ist der Crafter mit Kofferaufbau von Junge, oder hier der Kipper in Zusammenarbeit mit Schoon. Der Rahmen der Dreiseiten-Kippbrücke ist feuerverzinkt, die Bordwände mit handfesten Verschlüssen bestehen aus Aluminium, alternativ Stahlblech. In den stählernen Boden sind eine gute Handvoll Zurrösen eingelassen. Maximal eine Tonne Nutzlast als 3,5-Tonner oder bis zu knapp 2,5 Tonnen als schweres Kaliber trägt der Kipper. Diesel mit unterschiedlichen Leistungen, Schalt- oder Automatikgetriebe, auf Wunsch 4x4, zwei Radstände, Einzel- und Doppelkabine – da kann man angesichts von 40 Grundfahrzeugen tief im Konfigurator versinken. Praktisch: Das Auf und Ab der Kippbrücke funktioniert per Tastendruck im Fahrerhaus – VW lässt Kipperfahrer nicht im Regen stehen.


Orange Kastenwagen mit offener Ladefläche in einer Industriehalle; Mann steht daneben, Arme verschränkt.
Kipper aus einer Hand: Werkskipper mit Aufbau von Schoon im Einrechnungsgeschäft.

Das gilt im übertragenen Sinne ebenso für Transporter von morgen. Nein, es geht nicht um e-Caddy und e-Crafter, beide benötigen noch Reifezeit. Es geht um das, was sich im und rund um den Laderaum abspielt. Siehe das Projekt Crafter ILS, ausgeschrieben „Intelligent Loading Space“, eine beispielhafte Vernetzung, dargestellt mit Sortimo. Ist der Tagesplan für den Monteur geladen, erkennt der Transporter, ob das nötige Material an Bord ist. Er weiß, ob bestimmte Werkzeuge oder Maschinen in anderen Transportern des Betriebs lagern und untereinander getauscht werden können. Ebenso meldet ILS am Ende des Arbeitstags fehlendes Verbrauchsmaterial. Dies hilft beim Auffüllen, kann in die Rechnungsstellung einfließen. Sicherheit kommt nicht zu kurz, durch Überwachung des Laderaums per Kamera oder Fernverriegelung der Schubladen durch Tastendruck auf den Autoschlüssel, das verringert die Fehlquote durch Diebstahl bei geöffneter Tür.


Volkswagen-Transporter mit geöffneter Seite und Regalen; großes blaues Display zeigt Pairing & Automation.
Crafter ILS: Der Transporter weiß den Stand des Materials, sichere Verriegelung.

Geöffneter weißer VW-Transporter mit Hexagonmuster, Schubladensystem von bott und Logos von MOIA und VW in einer Halle.
Id. Buzz AD: rollende Paketstation zur Kundenbelieferung.

Das zweite Stichwort heißt „Transport as a Service“, kurz Taas. VW verwandelt mit dem Mobilitätsdienstleister Moia einen autonom fahrenden ID. Buzz AD („Autonomous Driving“) in eine rollende Packstation. Der Transporter weiß, wo welche Sendung abgeliefert wird, fährt autonom zum Ziel. Mittels einer App kann der Empfänger die Schiebetür öffnen und die vorsortierte Box mit seiner Sendung – und nur diese – entnehmen. Dieser Service eignet sich vermutlich vor allem zur Belieferung in Gewerbegebieten, wo Empfänger zuverlässig anzutreffen sind. Ein Fall auch für den neuen langen ID. Buzz Cargo.

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