Das E-Quartett
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IVECO spielt Quartett. Im Programm sind jetzt vier E-Transporter.

Mehr „E“ geht nicht im Segment der Transporter: Zum Dauerbrenner IVECO eDaily als Eigenkreation und dem noch frischen eMoovy auf Hyundai-Basis gesellen sich jetzt zwei bewährte Kräfte aus dem Stellantis-Stall: IVECO eJolly und eSuperjolly. Das ergibt ein Quartett aus E-Transporter, die außer einem vollelektrischen Antrieb und dem Markenzeichen nichts miteinander zu tun haben – das muss man sich leisten wollen und können. Wir haben mit den beiden Neuen eine Runde gedreht – und sind auf alte Bekannte gestoßen.
Mit dem eJolly dringt IVECO erstmals in das Segment der Kompakt-Transporter deutlich unterhalb der 3,5-Tonner vor. Plus/minus 3 t zulässige Gesamtmasse sind hier das Maß der Dinge. Der eJolly ist ein Ableger der Stellantis-Sammlung aus einem weiteren Quartett – Citroën Jumpy, Fiat Scudo, Opel Vivaro und Peugeot Expert, ein weiterer Kollege ist als Toyota Proace unterwegs. Die Stellantis-Jungs sind mit zehn Jahren nicht mehr die Jüngsten, aber von ganz anderem Schlag als ihre großen Brüder. Für den IVECO eJolly heißt das: schlankes Fahrerhaus, vergleichsweise niedrige Sitzposition, mit Beladung ein sanftes Fahrwerk, kein explosiver Antritt – der eJolly ist der Softie unter seinesgleichen.
Aber 100 kW Leistung sind auch nicht von schlechten Eltern und genügen im Alltag vollauf. Zumal hier ja bei maximal 3,2 t Schluss ist, sich kein Hochdach gegen den Wind stemmt und sich die Anhängelast auf lediglich 1 t beschränkt. Das ist ebenso knapp wie die Batteriekapazität der kleinen Variante von brutto 49 kWh, nutzbar sind etwa 10 % weniger. Also her mit dem größeren Akku und netto 69 kWh Energie. Das Ladetempo erscheint mit maximal 100 kW an der Schnellladesäule eher gemächlich, passend zum milden Temperament des Transporters. Die konfigurierbaren digitalen Instrumente sind hier wie überall ein wenig gewöhnungsbedürftig, die Regler für den E-Antrieb etwas fummelig.
Aber der eJolly packt an. Die Nutzlast beläuft sich auf 900 bis fast 1.300 kg, abhängig von Batteriegröße, zulässiger Gesamtmasse und der Länge von 4,98 oder 5,33 m. Somit schultert er mehr Gewicht als sein großer Bruder eSuperjolly. Die Höhenlinie der Karosserie bleibt unter der wichtigen 2 m-Markierung, in den Laderaum passen 5,1 bis 6,3 m³ – je nach Job auch mehr durch die Kombination einer Ladeklappe in der Trennwand mit einem Schwenksitz auf der Beifahrerseite. Praktisch ist ein Stromanschluss mit 5 kW Leistung für Einbauten oder Geräte, er läuft auch eine Viertelstunde nach Abstellen des E-Motors. Das ist zB gut für die Kühlkette beim Ein- und Ausladen temperaturgeführter Ware.



Geht der eJolly als typische Erweiterung des Angebots nach unten durch, so ist die Lage bei den 3,5-Tonnern kurios, gönnt sich IVECO doch drei Modelle völlig unterschiedlicher Herkunft und Auslegung. Da wären der wuchtige eDaily mit Heckantrieb, lieferbar in einer Vielzahl von Varianten als Fahrgestell und Kastenwagen, und der eMoovy, ein einheitliches Hyundai-Fahrgestell mit Van-Fahrerhaus und Aufbauten, leicht, niedrig, hochmodern.
Hinzu stößt nun der eSuperjolly, er geht unmittelbar auf die Elektrovarianten des Stellantis-Quartetts der großen Citroën Jumper, Fiat Ducato, Opel Movano und Peugeot Boxer zurück, ergänzt durch den Toyota Proace Max. IVECO argumentiert, dass die Kunden noch einen geräumigen Kastenwagen mit Frontantrieb wünschen.
Der eSuperjolly hat in den Grundzügen von Fahrerhaus, Karosserie und Fahrwerk inzwischen 20 Jahre auf dem Buckel und ist somit der Chef im Ältestenrat seiner Klasse. Man merkt’s ihm an, die Sitzposition ist von vorgestern, das Fahrwerk leer oder teilbeladen schwer verdaulich und die Karosserie ächzt und stöhnt mitunter. Aber: Da wären ein praktischer Drehknauf für die Fahrtrichtung und hübsch konfigurierbare Instrumente, auch aktuelle Assistenzsysteme.
Und fit ist der Senior, topfit. Dank einer deftigen Motorleistung von 205 kW und überschäumendem Temperament braust er der jüngeren Transporterwelt superfröhlich um die Ohren – so lautet die wörtliche Übersetzung von Superjolly. Mit seiner Batterie von 98 kWh nutzbarer Kapazität – Vorsicht: IVECO nennt die optimistischere Brutto-Kapazität von 110 kWh – rollt der Transporter trotzdem recht weit. Auch lädt er zügig mit maximal 150 kW. So ein Transporter-Senior hat’s drauf, auch wenn das Altenteil näher rückt.
Angesichts der üppigen Batterie gilt es, Gewicht und Nutzlast im Auge zu behalten. Ausweg wäre eine Aufstockung auf 4,25 t zulässiger Gesamtmasse, begleitet von den bekannten verkehrsrechtlichen Einschränkungen. Ergänzend kommt eine anständige Anhängelast von 2,4 t hinzu. Das alles gibt’s recht kompakt in Längen von 6,0 und 6,4 m und zwei Höhen mit maximal 17 m³ Ladevolumen.



Bei den Preisen schweigt sich IVECO bekanntermaßen aus. Sie werden sich jedoch an den Geschwistern orientieren müssen, sonst funktioniert die Angelegenheit nicht. Der Fiat E-Ducato zB startet nach der Liste im Netz mit 53.900 Euro. Für lediglich rund 29.200 Euro taucht der Opel Vivaro Electric auf – ein Sonderangebot.
Bleibt die Frage, weshalb IVECO eJolly oder eSuperjolly wählen und keines der Schwesterfabrikate mit flächendeckender Verbreitung plus Toyota? Vielleicht, weil der Fuhrpark auch größere Kaliber von IVECO umfasst und aus einer Hand sein soll. Oder weil eine Lkw-Werkstatt à la IVECO ganz selbstverständlich auch samstags arbeitet, manche auch 24 Stunden. Oder wegen einfallsreicher Finanzierungen: Im Programm „Gate“, einer Langzeitmiete, zahlen IVECO-Kunden Monat für Monat nur die tatsächlich gefahrenen Kilometer. Somit rücken Einsätze und Fahrzeugkosten nahe zueinander. Da wird das Quartettspiel plötzlich richtig interessant.




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