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Heimspiel

  • vor 5 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Renault setzt auf Komplettfahrzeuge inklusive Aufbau.


Die Begegnung ist zufällig, aber passt perfekt zum Termin im Transporterwerk Batilly von Renault: rollt doch in diesem Moment ein üppiger Autotransporter auf der vierspurigen französischen Schnellstraße. Seine Ladung: ein Renault Master als Kastenwagen, ein Fahrgestell mit Fahrerhaus sowie ein Master mit Kofferaufbau. Alles frisch aus der Fertigung.


Drei farbige Renault-Pritschenwagen in Blau, Weiß und Rot stehen vor Industriehallen auf einem Testgelände.

Dort hatte Renault unmittelbar zuvor ein neues Konzept vorgestellt, neu jedenfalls für die französische Marke: „Converted by Renault“. Es dreht sich um Komplettfahrzeuge auf Basis Renault Master mit Kipper, Koffer und Pritsche, montiert von zurzeit 40 Mitarbeitern in zwei Schichten in einer blitzsauberen Halle. Da ist noch Platz für Zuwachs, wie Renault ohnehin im Vorwärtsgang unterwegs ist. Transporterchef Jan Ptacek beziffert die Tagesfertigung des Werks auf 540 Transporter, macht jährlich etwa 100.000 Master für Renault und zusammen 20.000 Master für Renault Trucks und Nissan Interstar. Somit ist der noch junge aktuelle Master in die erste Liga aufgestiegen. Und zwei von drei Transportern, so Ptacek, werden auf- oder umgebaut.


Converted by Renault, das bedeutet Einkauf beim Renault-Händler aus einer Hand mit einer Rechnung, Finanzierung und Garantie. Weitere Vorteile: ein einziger Ansprechpartner und nur eine Lieferzeit. Indes ist die Auswahl zwangläufig begrenzt, es geht um Transporter von der Stange anstelle Maßanfertigung, um Serienfahrzeuge. Logisch sind für Renault regionale Partner, d. h. in diesem Fall die französischen Fabrikate Gruau und JPM. Das passt nicht überall, lässt genug Luft für externe Aufbauer, die auf eigene Rechnung produzieren.


Das Heimspiel im Master-Werk aber gehört den Franzosen. Und so steht vor der Halle zunächst ein beispielhaftes Trio hübsch arrangiert in den französischen Nationalfarben: ein blauer Master mit Hinterkipper von Gruau, ein weißer Dreiseiten-Kipper von JPM sowie ein roter Master mit Gruau-Pritsche. Nahebei parken drei Master mit Kofferaufbauten von Gruau in unterschiedlichen Varianten. Außerdem steuert JPM einen Dreiseitenkipper mit Werkzeugbox sowie eine Pritsche bei, Gruau ebenfalls eine riesenlange Pritsche und einen Hinterkipper mit Werkzeugbox. Mal mit Vorderrad- und mal mit Hinterradantrieb und Zwillingsbereifung.


Die kantigen Gruau-Koffer mit ihrer markanten Rahmen-Bauweise messen in der Länge 3.970 oder 4.350 mm und fassen zwischen 18 und 20 m³. Knapp 1 t Nutzlast sind beim 3,5-Tonner maximal drin, sie schrumpft bei einer Ladebordwand – verschiedene Varianten sind möglich, ebenso bei den Türen – oder bei Wahl des Master mit Hinterrad- statt Frontantrieb indes zusammen.


Zwei weiße Renault-Pritschenwagen, einer mit hochgekippter Ladefläche, stehen vor einer Halle unter blauem Himmel.

Größer ist die Auswahl der Werksaufbauten bei Pritschen und Kippern. Da wären Einzel- und Doppelkabinen, Aluminium oder Stahl als Material, Front- oder Hinterradantrieb sowie zwei oder gar drei Längen. Kipper auch mit vorgelagerter Werkzeugbox. Das bedeutet zB für Pritschen eine enorme Spanne. Los geht’s mit einem Fronttriebler von 6 m Gesamtlänge und 3,3 m-Pritsche aus Aluminium sowie 1,4 t Nutzlast. Die Angelegenheit mündet in einem ausladenden 7,2 m-Lulatsch mit 4,6 m langer Ladefläche auf einem Fahrgestell mit Hinterradantrieb und Zwillingsbereifung sowie knapp 1 t Zuladung. Dazwischen liegt fast alles, was das Herz begehrt. Und damit nun wirklich jeder weiß, dass es sich um einen kompletten Transporter von Renault handelt, ist hoch oben im Stirnwandgitter jeweils unübersehbar der Markenschriftzug ausgefräst.


Kümmert sich „Converted by Renault“ um weitgehend vorkonfektionierte Serienware, so wird’s beim zweiten Baustein namens „Qstomize“ – einer Marketing-Schreibweise von „Customize“ – individuell. Die Maßschneider gibt es unter dieser Bezeichnung bereits seit mehreren Jahren in 13 Renault-Werken mit zusammen 330 Mitarbeitern. Das Master-Werk hat mit 52 Beschäftigten besonders viel zu tun. Das Aufgabengebiet reicht von individuellen Beschriftungen bis zu komplexen Ausbauten. Wie wär’s mit einem Kastenwagen als Doppelkabine mit wahlweise drei oder vier Sitzplätzen in der zweiten Reihe? Den Freiraum über den Sitzen nutzt Renault für eine Dachablage. Dafür entfällt eine Sitztruhe und der Laderaum verlängert sich. Das Telekommunikationsunternehmen Orange erhält individuell ausgestattete Werkstattwagen, von der Einrichtung über einen Dachträger mit aufklappbarem Warnschild und eine klappbare Gittertrittstufe an der Schiebetür, einen 230 V-Anschluss bis zur Waschmöglichkeit innen an der Heckflügeltür. Der Ausbau dauert 20 Stunden, es scheint sich zu lohnen. Gleich nebenan parkt ein Alu-Kipper des britischen Fabrikats TGS als Rechtslenker, stehen ein Werkstattwagen des Stromnetzbetreibers Enedis, auch ein Zustellfahrzeug mit Durchgang vom Cockpit zum Laderaum. Selbst wer nur individuelle Sitzbezüge haben will, wird hier fündig.


Qstomize ist etabliert, Converted by Renault wird wachsen und auch auf andere Werke übertragen – in Zukunft rollen ebenfalls Autotransporter mit frisch auf- und ausgebauten Trafic und Kangoo Rapid über die Schnellstraße zur Auslieferung.

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