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Drei Varianten – das ist der neue Ford Transit City mit chinesischen Wurzeln.

Transit Courier, Connect, Custom und der große Transit – fehlt da noch was? Ford meint ja und lässt in der Eintonnen-Nutzlastklasse den vollelektrisch angetriebenen Transit City aus China vom Stapel. „Ein Transporter ohne Schnickschnack“, so Claudia Vogt, Ford-Transporter-Chefin für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Ein einfacher Arbeiter, günstig und elektrisch. Mit ihm soll die bisher noch lahmende Elektrifizierung von Transportern einfacher werden. „It’s a great deal“, stellt Hans Schep fest, Chef der Transporter von Ford Pro in Europa. Und er betont: „Es ist ein Transit.“
Ford ist flexibel geworden. Einst als Monolith unterwegs, setzt die Marke inzwischen auf Zusammenarbeit. Transporter-Kooperation erst mit VW, bald auch mit Renault, jetzt stößt für Europa ein dritter Partner hinzu: Jiangling Motors Corporation, kurz JMC, in China. Man kennt sich seit Jahrzehnten: JMC baut seit 1997 den Transit mehrerer Generationen in Lizenz, teils abgewandelt und mit eigenem Gesicht. Ford ist maßgeblich am Unternehmen beteiligt. Jetzt schlägt das Pendel in die andere Richtung aus.
Steckt doch inzwischen eine spannende Eigenentwicklung im Programm des chinesischen Fabrikats: der JMC Touring EV. Er bildet die Grundlage für den neuen Transit City. Mit einem leicht veränderten Gesicht, anderen Instrumenten und Lenkrad, einem komplett neuen Antrieb inklusive Batterie und zusätzlichen Modellvarianten. Der Transit City ist daher „ein neues Mitglied der Transit-Familie“, so Europa-Chef Hans Schep.
Das Programm des Ford Transit City ist schnörkellos, es unterscheidet sich deutlich vom vergleichbaren Transit Custom. Eine Überschneidung gibt es bei den Kastenwagen, hier 4,99 und 5,29 m lang. Sie flutschen mit 1,99 m soeben noch unter der Zweimeter-Marke hindurch. Die Radstände belaufen sich auf 3.060 und 3.360 mm. Die Langvariante trägt im Unterschied zum Transit Custom ein Hochdach – plus 29 cm Innenhöhe. Daraus resultieren Laderäume mit bis zu 3.070 mm Länge von rund 6 und gut 8 m³ nach großzügiger SAE-Norm. Das Frachtabteil ist mit einem Boden ausgelegt und mit halbhohen Seitenverkleidungen ausgestattet. Die zulässige Gesamtmasse beträgt 3,0 t (kurz) und 3,3 t (lang), gleichbedeutend mit einer Nutzlast von 1.085 und 1.275 kg. Eine Anhängelast ist nicht vorgesehen.

Die große Überraschung im Programm ist ein Fahrgestell mit Fahrerhaus, in dieser Klasse selten. Es basiert auf dem Transit City mit langem Radstand und 3,3 t. Ford will durch die Zusammenarbeit mit Auf- und Ausbauern punkten. rückt das Fahrgestell in den Mittelpunkt für Pritschen, Kipper, Koffer und Kühler. Hinzu kommen die üblichen Verdächtigen für Kastenwagen mit Einrichtung für Handwerker. Hans Schep kündigt „One-Stopp-Shopping“ an, also Einrechnungsfahrzeuge.
Unter der Motorhaube des Transit City steckt ein Elektromotor mit einer Leistung von 110 kW. Zum Vergleich: Die chinesische Vorlage begnügt sich mit lediglich 60 kW. Treibt sie die Hinterachse an, so setzt Ford beim Transit City auf Vorderradantrieb. Bei der Rekuperation setzt Ford auf einen Einpedal-Modus. Die Energieversorgung übernimmt eine LFP-Batterie (Lithium-Eisenphosphat) mit 56 kWh Kapazität. Das genügt für die City und die nahe Umgebung, nicht für längere Strecken. Sie wird an der Wallbox mit 11 kW und an der Schnellladesäule mit bis zu 87 kW eher bedächtig geladen. Ford nennt eine Reichweite von 254 km nach WLTP-Norm für die Kurzausgabe.
Zur generell eher schlichten Konstruktion des Ford Transit City gehört ein Fahrgestell mit einer starren blattgefederten Hinterachse. Zurückhaltend funktionell ist ebenfalls eine Etage darüber der Arbeitsplatz gehalten. Immerhin sind die Oberflächen sanft genarbt. Dem aktuellen Stand der Technik entsprechen Digitalinstrumente, der zentrale Monitor im Format 12" und das Multifunktionslenkrad. Die Fahrtrichtung wird per Lenkstockhebel vorgegeben, die Klimatisierung per Drehregler definiert. Den Lichtschalter kennt man aus der Transit-Familie. Zu den praktischen Seiten zählen Außenspiegel mit zusätzlichem Weitwinkelglas, ein Doppel-Beifahrersitz sowie offene Ablagen anstelle eines geschlossenen Handschuhfachs sowie auf der Armaturentafel und in der Mittelkonsole.
Ford will mit aggressiven Preisen angreifen und siedelt den Transit City zwischen den E-Varianten von Transit Courier und Custom an. Das dürfte einen Netto-Listenpreis knapp unter 40.000 Euro bedeuten. Für dieses Geld gibt’s eine Serienausstattung mit Klimaanlage und Sitzheizung, schlüssellosem Startsystem, Park-Pilot-Sensoren vorne und hinten, eine Rückfahrkamera, die adaptierte Geschwindigkeitsregelanlage und den Fahrspur-Assistenten. Extras sind – ganz anders als beim individuellen Transit Custom – nicht vorgesehen, vier Farben stehen zur Wahl. Kostengünstig sind lange Wartungsintervalle von zwei Jahren oder 40.000 km.




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