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Doppelter Nachwuchs

Neue Lieferwagen von Ford: Transit Courier und Connect.


roter Ford Connect vor Einfahrt

Ford ist mitunter tierisch unterwegs. Der große E-Transit profitiert von der Technik des Mustang Mach E. Auf der entgegengesetzten Seite des Programms nutzt der neue Transit Courier die Plattform des Kompakt-SUV namens Puma. Zu sehen ist das nicht: Kommt der Puma eher sportlich daher, so pflegt der Transit Courier die praktische Kastenform. Er hat im Vergleich zum Vorgänger in jede Richtung einige Zentimeter zugelegt – sieht bullig aus mit hoher Motorhaube, kräftigem Grill einschließlich den Scheinwerfergehäusen, mit dicken Backen und geraden Wänden. Alles stämmig, breitschultrig. Trägt Sicherheitsschuhe statt feiner Slipper, ein Anpacker.


Und wie er anpackt. Selbst im Vergleich zu seinem größeren Bruder Transit Connect lässt der Courier die Muskeln spielen. Sein Laderaum erreicht fast exakt die Werte des bisherigen Transit Connect als Kurzausgabe. Länge hier wie dort 1,8 m, auch Breite, Höhe passen. Macht 2,9 m³ Volumen – alles wie bisher der Connect. Nur der Preis ist ein anderer: Den Transit Courier gibt es bereits ab netto 16.800 EUR. Da kann man sich ein paar Extras leisten, ob Klimaanlage, LED-Lampen im Laderaum, ein Sitzpaket mit der Katzenklappe als Laderaum-Verlängerung. Ohnehin, die Schiebetür – sie kostet Aufgeld, muss das sein?


Wichtig: Sofern der Staplerfahrer gut gelaunt ist, passt die Europalette quer ins Heck zwischen die Radkästen. Sie stehen 1,22 m auseinander. Dank des geraden Rückens haben sogar zwei bepackte Ladungsträger Platz. Es gibt zwei Nutzlastklassen bis 680 und 845 kg (hat Ford etwa das Fahrergewicht nicht abgezogen?) und je nach Motorisierung bis zu 1.100 kg Anhängelast.

Damit die Fuhre vorwärtskommt, brummt vorne vernehmlich ein Dreizylinder-Benziner mit 1 l Hubraum und 74 kW (100 PS) oder 92 kW (125 PS). Die kräftigere Ausführung harmoniert prima mit dem Transit Courier. Erst recht mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe statt Sechsgang-Schalter. Doch passen netto rund 2.000 EUR Aufpreis zum Sparcharakter des Ford? Alternative ist ein Vierzylinder-Diesel mit 1,5 l Hubraum. Technisch ein feines Ding mit Alu-Motorblock und ebenfalls 74 kW (100 PS). Dazu überzeugend in Laufruhe und Durchzugskraft – ein gewisses Drehzahlniveau vorausgesetzt. Hinzu stößt auf dem Bestellzettel in der zweiten Jahreshälfte der batterie-elektrische E-Transit Courier mit 100 kW Leistung.


Zwischen Motor und Laderaum bleibt genug Platz für die zweiköpfige Besatzung. Gestartet wird per Knopfdruck, aber die Handbremse funktioniert nach alter Art mechanisch – es gibt Wichtigeres. Dank weit entfernter Windschutzscheibe ist das Raumgefühl prima. Ebenso die Sicht, denn Fenster und Außenspiegel sind üppig. Die Armaturentafel hinterlässt grundsätzlich einen sachlich-freundlichen Eindruck. Ob Verkleidungen oder Stoffe, die Materialqualität wirkt schlicht, der Preis, na klar. Anspruchsvolle schickt Ford daher zum Transit Connect. Der Fahrersitz ist nicht unbequem, drückt aber Große ein wenig im Schulterbereich, man kennt’s vom Transit Custom. Von ihm übernimmt der Transit Courier die eigenwilligen Digital-Instrumente mit dem nahezu ungenießbaren Drehzahlmesser in Säulenform. Viel geschickter als beim großen Bruder ist dagegen der 10"-Monitor in der Mitte. Aber wehe dem, der sich während der Fahrt der Klimatisierung widmen will – der entsprechende Menüpunkt ist arg überfrachtet.


Zu den Vorzügen des Transit Courier zählt sein Fahrwerk – Vorteil Puma. Unter dem Hinterteil steckt eine Verbundlenkerachse mit Schraubenfedern. Erster Eindruck im teilbeladenen Ford: Er federt zwar nicht so samtig wie eine Raubkatze, aber für einen Lieferwagen komfortabel. Hinzu kommt eine markentypisch präzise Lenkung mit der passenden Kraftunterstützung. Unterstützung gibt’s von einem Rudel – nein, nicht Pumas, sondern Assistenzsysteme. Entsprechend gut fährt sich der Ford Transit Courier, sozusagen tierisch gut.



Ford Transit Connect: elegant, fein und ambitioniert


Darf es etwas mehr sein? Mehr Gediegenheit, mehr Feinschliff, auch mehr Geld? Und vielleicht eine Langvariante? Bereits vor mehr als zwei Jahren erblickte die Pkw-Variante Ford Tourneo Connect als Ableger des VW Caddy das Licht der Welt. Jetzt endlich folgt der Kastenwagen Transit Connect. Mit zwei Radständen, zwei Längen von 4,5 und 4,85 m und 3,1 und 3,7 m³ Ladevolumen. Dazu Platz für die Palette quer im Heck, mit einer Nutzlast bis 850 kg und maximal 1.500 kg Anhängelast. Kennt man vom Caddy Cargo, der Ford ist nicht von schlechten Eltern. Aber zumindest die kurze Variante wird sich beim Vergleich mit dem neuen Transit Courier sehr ins Zeug legen müssen.


Ford Transit Connect in Fahrt

Prompt trumpft der neue Transit Connect mit einer Lösung auf, die es anderswo nicht gibt: der neu konstruierten Kastenwagen-Doppelkabine. Der Fünfsitzer mit fester Trennwand zum Laderaum verwandelt sich mit zwei Handgriffen in einen Zweisitzer: klappen, schieben, schwenken, fertig. Zwar lässt die seitliche Schiebetür dann nicht mehr viel durch, im Heck aber ist je nach Radstand Platz für 2,5 oder 3,1 m³ Fracht. Und beim langen Transit Connect immer noch für zwei Europaletten quer. Eine Lösung der Kollegenmarke, die Ford als Premiere vorstellt.

Weiter vorn hebt sich der Transit Connect von seinem Partner durch eine dezent veränderte Bedienung mit ein paar Direktwahltasten in der Mittelkonsole und dort etwas anderen Lüftungsöffnungen ab – beides bereits bekannt vom Tourneo Connect. Ford- und VW-Fahrer werden sich zuhause fühlen, umgeben von hochwertigen Materialien mit gediegen genarbten Oberflächen in solider Verarbeitung. Eben Connect statt Courier.


Ganz vorn unter der Motorhaube nennt Ford bereits Details zum künftigen Plug-in-Hybrid, eine Premiere in dieser Klasse. Auch so ein lange angekündigter VW-Ableger, der in der zweiten Jahreshälfte in neuester Generation des Mischantriebs antritt. Das bedeutet: Benziner mit 1,5 l Hubraum, ergänzt durch einen Elektromotor. Daraus resultiert eine Systemleistung von zusammen 110 kW (150 PS) und 350 Nm. Verbunden ist dies mit einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe und mit Tricks, etwa mit E-Abzweig zum Antrieb von Werkzeug.

Beachtung verdient die Batterie mit einer Kapazität von 19,7 kWh. Daraus resultiert laut Ford eine Reichweite von bis zu 110 km. Geladen wird an der Steckdose, der Wallbox oder nun auch an der Schnellladesäule mit 50 kW. Und gefahren wird mit drei Fahrmodi: „EV Now“ rein elektrisch, „EV Auto“ im Wechsel zwischen Verbrenner und Batterie, „EV Later“ mit Verbrenner, wenn zB erst eine spätere Stadtfahrt ansteht.


Eine vollelektrische Variante stößt nicht hinzu, das gibt die Golf-Plattform der Lieferwagen-Großfamilie von Caddy und Connect nicht her. Wenn Ford also von einer nun komplett elektrifizierten Transit-Familie spricht, klingt dies optimistisch.


Schwerpunkt im Programm sind indes Dieselmotoren. Ford nennt sie nach Art des Hauses Ecoblue, auch wenn es sich um TDI-Maschinen vom Partner handelt. Der Zweiliter steht in Leistungsstufen von 75 kW (102 PS) und 90 kW (122 PS) parat. Der kräftigere Diesel ist auch in Verbindung mit einem Allradantrieb zu bekommen – für Ford in dieser Klasse Neuland.


An den Start geht der neue Ford Transit Connect im Frühjahr als Diesel, ausgeliefert wird ab Sommer. Hybrid, Allradantrieb und die Doppelkabine komplettieren das Angebot später. Und der Preis? Bei Redaktionsschluss hielt sich Ford noch bedeckt, doch es lohnt der Blick über den Zaun zum Caddy Cargo. Dessen Grundpreis von netto 21.838 EUR sollte als Orientierung passen, auch zur Einschätzung von Transit Courier und Transit Connect.


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