Transporter auf dem Laufsteg
Spannende E-Vans, digitale Services, Günstigmodelle, innovative Auf- und Ausbauten, autonomes Fahren – die Trends der IAA Transportation 2026.

Klarer Fall: Elektromobilität mit Transportern ist ganz normal. Das spiegelt sich zum Leidwesen der Hersteller zwar noch nicht durchweg in den Zulassungszahlen wider, Stichwort Strafzahlungen durch Überschreitung der CO2-Flottengrenzwerte. Auf Messeständen aber haben Verbrenner ausgedient. Noch dominieren Multi-Energy-Plattformen für E-Transporter das Bild, doch die Szenerie wandelt sich zu sortenreinen E-Plattformen.
Herausragende Beispiele waren auf der IAA die neuen Renault Trafic E-Tech und Kia PV7. Als direkte Wettbewerber zeigen sie, wie unterschiedlich E-Konzepte sein können. Beide eint die typische kurze E-Nase und eine aufwendige 800 V-Architektur für schnelles Aufladen. Doch während Renault auf einen Heckantrieb mit Motor und Antrieb auf die Hinterachse setzt, bevorzugt Kia Frontantrieb. Auf den ersten Blick kurios: Die Ladekante des Renault-Hecktrieblers beträgt lediglich 500 mm. Beim Kia-Fronttriebler liegt sie 10 % höher. Liegt’s an der größeren Batterie (bis 96,2 kWh), am künftigen Allradantrieb des Kia? Rollt der Renault in Kürze zu den Händlern, so verlangt Kia rund ein Jahr Geduld. Seine Messepremiere feierte ebenfalls der Ford Transit City, auch ein reiner E-Transporter, aber chinesischer Abstammung und mit Ford-Verfeinerung für Frontantrieb und komplett standardisierte Ausstattung. Der Transporter von der Stange ist bereits im Handel, unsere Leser kennen ihn.

VW hat an einigen Stellen Nachholbedarf. E-Crafter und e-Caddy benötigen Zeit. Immerhin gibt es endlich den ID. Buzz Cargo mit langem Radstand, mehr Platz und Schiebetüren mit Palettenbreite. Auf Geduld setzt auch Mercedes-Benz Vans. Neuer Sprinter, neuer Vito? Nichts da. Der Monolith „The Boulder“ soll neugierig auf die nächste Generation machen. Bis dahin ist der aktuelle eSprinter mit Heckantrieb ein feines Ding. Stellantis fährt ebenfalls weiter mit seinen Klassikern. Zwei neue Modellreihen bis 2030 sind angekündigt.

Transporter-Alter schützt nicht vor Digitalisierung. Wer auf sich hält, der spricht von Uptime, der Fahrzeugverfügbarkeit. Echtzeitüberwachung und frühzeitige Warnung vor Pannen stehen im Mittelpunkt. Ford hat hier Meilensteine gesetzt, u. a. Mercedes und VW sowie Stellantis folgen, flankiert von Monteuren, die seitens Mercedes und VW mit Werkstattwagen für den Service und kleinere Reparaturen zum Kunden ausrücken. Das spart wertvolle Zeit und somit Geld.
Ums Geld geht’s auch anderswo. Ford hat mit dem günstigen Transit City einen Pflock eingeschlagen. Er liegt netto laut Liste gut 14.000 Euro unterhalb des E-Transit Custom. Ja, er ist schlichter, vom Cockpit bis zur blattgefederten Hinterachse. Aber spielt das als Flotten- und Handwerkerauto eine Rolle? Ähnliches gilt für die aktuellen Einsteigermodelle der Stellantis-Lieferwagen Opel Combo und Geschwister. Neues, auf Funktion getrimmtes Cockpit und Preis runter, so das Rezept. Und gleiches Geld für E- und D-Antrieb, schon schießt der E-Anteil nach oben.
Geht’s in Zukunft vielleicht ganz ohne raren und teuren Fahrer? Die IAA war auch eine Messe der tollen Kisten, autonom fahrend ohne Steuermann. Hier liegt China vorn. Außerhalb der Hallen kreiste der putzige Neolix, drinnen standen Modelle bei Maxus und Chery (Robox). Stellantis schickt die „Box on Wheels“ in die Zukunft, kein schlichter Kasten mit Kulleraugen, sondern mit feiner Hand durchgestaltet, kompakt gebaut und mit großen seitlichen Ladetoren. Alles vollelektrisch und vollautomatisiert, versteht sich. Nicht ganz so konsequent, aber näher an der Umsetzung ist der VW ID. Buzz AD als autonom fahrender Päckchenverteiler.

Tolle Kisten gibt’s auch anderswo, in klassischer Bauform. Gelten Pritschen von Haus aus als eher langweilig, so beweist Suer das Gegenteil. Leichter Boden, Bordwand mit verschiebbarem Tritt, perfekt sichtbare Leuchten auf der Scharnierachse, rundum Airline-Schienen, Bordwandscharniere mit Netzhaken, das ist sorgfältig gemacht. Auf niedrige Kosten und Gewicht setzt Sommer beim Koffer namens Easy light. Wände aus Polypropylen-Waben (PP) mit GfK-Deckschicht, stabiles Dach, rutschhemmender Boden, Airline-Schienen, eine Handvoll Extras, weitgehend vorkonfektioniert und fix lieferbar. Das ergibt mit dem 3,5-Tonner Toyota Proace Max inklusive Ladebordwand eine knappe Tonne Nutzlast, bei einem ausladenden 72er Iveco Daily stattliche 3,7 t – mehr als 50 % der zulässigen Gesamtmasse.

Gewicht steht auch beim Kofferaufbau Junge „Urban Star“ im Mittelpunkt. Leichter Boden, leichte Paneele, macht mit Hecktüren je nach Größe 245 bis 325 kg. Das passt prima zu kompakten E-Transportern wie Kia PV5 und dem neuen Ford Transit City. Dort ist Junge jetzt Hauslieferant für Koffer im Einrechnungsgeschäft. Ebenso mit der wuchtigen Kombination aus MAN TGE, BE-Combi-Trailer und Junge-Kofferaufbau. Sieht aus wie ein Dreiachser, entpuppt sich aber als Mini-Sattel und 3,5-Tonner-Zugmaschine mit 3,5 t-Auflieger. Das spart den Lkw-Führerschein und Maut.


Ohnehin rücken Transporter- und Aufbauhersteller näher zusammen. Stellantis und Renault fertigen Komplettfahrzeuge sogar in ihren Werken. Mercedes und MAN haben Flotten von Einrechnungs-Transportern im Programm. Auch VW, einst in Sachen Umbauten eher zögerlich, setzt auf derlei Kooperation, jetzt sogar mit Verfeinerungen durch Autoveredler Abt. Was Ausbauer können, das zeigt u. a. Bott beim Kia PV5 Cargo mit Hochdach: Faltsitz auf der Beifahrerseite, Durchgang in den regalbestückten Laderaum. Oder Sortimo, dort hat man seine Baureihen neu sortiert, ein neues Klappregal für die KEP-Branche entworfen und demonstriert anhand des „Innovation Van“, wie Handwerker künftig arbeiten. Vielleicht mit dem neuen Be- und Entladesystem Pro-Lift, angesiedelt zwischen Stapler, Hubwagen und Hubtisch. Das Gerät wiegt 120 kg, hat einen Spindelantrieb und wird mit kleinem Bosch-Akku betrieben.

Chinesische Fabrikate sehen ebenfalls, dass nackte Kastenwagen und Fahrgestelle nur ein halber Schritt sind. Maxus, seit kurzem mit neuem Geschäftsführer in Österreich, präsentiert den neuen eDeliver 5 mit einem Koffer, dem einstigen deutschen E-Pionier Streetscooter in Design und Farbe wie aus dem Gesicht geschnitten. Die Chery-Tochter Delivan hat sich mit dem französischen Aufbauer JPM verbandelt. Die Geely-Tochter Farizon präsentiert einen Kastenwagen mit Sortimo-Regalausbau. Und dann sind da noch die weiteren chinesischen Fabrikate BYD, Cavan, JAC, Skyworth, Up-Van und Wisdom Motor. Da passiert was, die IAA war chinesischer denn je. Und eines ist bei Fabrikaten aus Fernost ebenfalls klar: Elektromobilität mit Transportern ist für sie ganz normal.




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